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Schattenspieler live @ Emsland 05.04.2003

Klönschnack, Börger

Kriegsbericht von der Nordfront 2003-04-07 zweiundzwanzig - null - null

I. Schattenspieler-Regiment unter Hauptmann Löhr im Jack Yello Bataillon

Kriegsbericht von der Nordfront 2003-04-07 zweiundzwanzig - null - null

I. Schattenspieler-Regiment unter Hauptmann Löhr im Jack Yello Bataillon

 

Hand aufs Herz, liebe Musikerkollegen: Uns allen ist schon mal das ein- oder andere Publikum begegnet, das mit unseren aktuellen Musikstil nicht allzu viel anfangen kann. So zog sich zum Beispiel unser Sänger alias "Bigdave" während eines Open Air in Neviges dereinst den Zorn einiger hundert Metaller zu, indem er seine Show mit seinen drei langsamsten Balladen eröffnete. Die meisten Musiker kennen so was schon, und obwohl es wehtut, hat man es nach dem nächsten Gig doch schon fast wieder vergessen. Was aber würdet ihr tun, wenn ihr ein Publikum hättet, das sich GAR NICHT bewegt? Holt ihr einen Arzt? Schmeißt ihr mit Instrumenten?

 

"Nee, das is' hier normal", erzählt Manuela, eine rassige Rothaarige im Gothic - Look (siehe Bild 23 & 24 !) nach dem Gig. "Eure Mucke war echt goil, aber die Jungs und Mädels hier ham' doch alle ihren Turn noch nich' drin! Da müsst Ihr in vier oder fünf Stunden noch mal spielen, dann sind die blau, dann fangen die an zu tanzen." Ähnliches bekommen wir dann später immer wieder auch von Anderen zu hören. "Toller Auftritt! Ich hätte echt gern ein bisschen getanzt, aber alleine hab ich mich nicht getraut!"

 

Und wir haben alles versucht!!! Wie ein Bescheuerter (also wie immer) sprang unser Dave wieder und wieder über den (theoretischen) Bühnenrand und fegte in altbekannter Manie von links nach rechts, schnitt Grimassen, sprang auf und ab und klatschte demonstrativ mit den Händen.

 

Die meisten der anwesenden Baue... äh, Gäste hatten wenigstens noch die Unhöflichkeit, Sprüche wie "Börger, habt ihr Hände?!" zu ignorieren und zwischen Dave, René, Hobbel, Uwe, Toni und Örkel hin- und herzustarren, solange sie dabei ihren Kopf nicht drehen mussten, aber als Dave dann hoffnungsvoll auf eine junge Lady in schwarzer Montur zustrebte, um ihr in Kleinkindpädagogikmanie zu zeigen, wie man mit wenig Aufwand ein Klatschgeräusch zwischen den Handflächen erzeugen kann, schüttelte sie mit vor der Brust verschränkten Armen den Kopf und starrte weiter geradeaus, um uns endgültig zu zeigen, wie unwillkommen wir in diesem 2000 - Seelen - Nest waren.

 

Von diesem Moment an ging eigentlich alles ganz schnell. Wir spielten eine bessere Probe herunter (die im Übrigen von einem kleinen Grüppchen aus Wülfrath und Hamburg des todesähnlichen Zustandes unseres restlichen Publikums zum Trotz gebührend abgefeiert wurde!), unterließen jegliche Ansagen und verabschiedeten uns mit einem "ihr wart ein schwer zu begeisterndes Publikum". Kaum war der letzte Ton verklungen, waren die Gitarren im Koffer und alle Komplimente wurden mit "jau", "Danke" und einem "steck's Dir sonst wohin" im Geiste beantwortet.

 

Danach lieferten Jack Yello eine granatenstarke Show mit Nebel und Power, welche zwar Perlen vor die Säue, aber trotz Allem ein geiles Stück Arbeit war. Dave entblödete sich nicht, den Beginn von "Gameshow" mit breitbeinigem Kreiselbangen zu untermalen (er hatte ja die ersten fünf Reihen für sich), dann war es uns offen gestanden zu blöd, noch länger depressiv zwischen zweiundvierzig Bauern, die in ihre eigenen Gespräche vertieft ihr bestes gaben, Kunst zu ignorieren, herumzulungern und kehrten dieser Vorhölle (sehr zur Trauer von Manuela, die bis zuletzt gehofft hatte, wir würden nach Jack Yello ein zweites Set zum Besten geben) für immer den Rücken. Nie wieder!

 

Unser Dank gilt diesmal insbesondere:

 

Jack Yello

Weder ihr noch wir haben Schuld an diesem Desaster: Von daher ein ernstgemeintes Danke für den gemeinsamen Gig. Anytime again, solange es nicht in Börger ist.

 

Guido Löhr

Unser "siebenter Mann" hat keine Mühe gescheut, das leichenstarre Publikum wenigstens mittels fetten Sounds und Druck aus den Boxen von ihren Plätzen zu fegen (und uns mit Sänger- Keyboarder- Gitarristen- und Bassistenwitzen bei Laune zu halten...) - Huey? Nah! Let's call Börger on the big white phone, dude! >:)

 

Manuela und die Belegschaft des "Klönschnack"

Ihr ward vorbildliche Gastgeber - egal, was wir vom Rest von Börger halten, danke für die Bühne, das Bier, das Essen und natürlich auch für das Angebot, bei Euch zu pennen. Zu unserem nächsten Gig seid ihr jedenfalls herzlich eingeladen.

 

Zeitungsberichte ...

... wird es von diesem Gig wohl weniger geben - aber dafür gibt es ein paar Börgersprüche vom jüngsten "Lux & Umbra" - Gig :-)

 

BÖRGER-SPRÜCHE, die in die Geschichte eingehen werden:

 

- Manuela- jeder sollte eine haben (Guido Löhr)

- Da hätten wir auch vor`n paar Sack Kartoffeln spielen können, da hätten uns wenigstens noch die Keime zugelächelt! (Toni Sosnierz)

- Da is ja im Altenheim mehr los! (Toni Sosnierz)

- Ey! Wir hätten auch vor Leichen zocken können, die hätten sich wenigstens nicht gegen die Druckwellen aus den Boxen gewehrt! (Toni Sosnierz)

- Die hätteste der Reihe nach abknallen können, die hätten sich nicht bewegt! (Toni Sosnierz)

- (René vor dem Gig):Schau dir mal die Häuser an!

- (Dave): Geil, hier zieh ich hin!

- (Hobbel nach dem Gig): Ach, die Häuser hier kosten doch nix!

- (Dave): Ja toll, wer will denn hier wohnen?

- (Gitte - MAiTRE´s Anvermählte):Macht bloss nicht das Emsland schlecht! Das Emsland ist gar nicht so übel ...

- (Dave):...wenn man nekrophil ist...die Rate der Lebendgeburten in Börger scheint erschreckend niedrig!

 

Gruß aus den Schatten und bis zum nächsten Konzert - hoffentlich mit motivierten Fans und einer ordentlichen Party !

 

Bigdave