Zurück

Schattenspieler live @ Feuertal 26.08.2006

Waldbühne Hardt, Wuppertal

Feuertal Festival mit In Extremo, den Apokalyptischen Reitern, Naio Ssaion

Tag zwei nach dem Feuertal Festival - wären da nicht die vielen Gästebuch- und Foreneinträge, würde ich glatt behaupten, dass das Wochenende mit diesem rattenscharfen Festival und dieser unglaublichen Horde von knapp 2000 Mann ein zu geiler Traum gewesen ist. Pustekuchen - hat wohl doch stattgefunden und wir waren live dabei. Dieses Konzert war der Hammer. Aber lassen wir das Review wieder einige Stunden vor dem Konzert beginnen...

 

5:30 Uhr. Mein Wecker bläst Alarm. Wer zur Hölle hat für diese Uhrzeit den Wecker gestellt? Erstmal Fluchen, wach werden und Gerhin einschalten. Und so langsam weicht die zerknirschte Laune der aufkeimenden Vorfreude: Feuertal Festival! Warum solche Tage immer mitten in der Nacht zu solch unchristlichen Zeiten beginnen müssen ist mir ein Rätsel - aber der Veranstalter hat in der Timetable den Aufbau der Backline auf 8:00 Uhr festgesetzt und davor wollen noch die Instrumente und ein Haufen von Cases eingetütet und zur Waldbühne auf die Hardt gefahren werden. Ok, da hilft wohl nix außer aufstehen.

 

6:30 Uhr. Eine lauheiße Dusche später ohne Frühstück ab ins Auto Richtung Studio. Irgendwie streikt mein Magen um diese Uhrzeit bei der Aufnahme fester Nahrung. 20 Minuten später Ankunft am Bunker, wo die Jungs ebenfalls ziemlich verschlafen bereits warten. Frühsport ist Mord - mit diesen Worten packen wir unsere Brocken zusammen und sind gegen 7:30 Uhr wieder reif für die Dusche. Kurz bevor wir zur Waldbühne aufbrechen, stelle ich die These auf, dass wir heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder die ersten und in der Nacht die letzten sein werden. Aber es ist ja schon kurz vor 8 und auf der Hardt sollte bereits jetzt der Teufel los sein ...

 

7:59Uhr. Pünktlich wie die Kesselflicker rollen wir über die Zufahrt zur Waldbühne. Ein sichtlich verdutzt aussehnder Mann steht vor der Absperrung und macht keine anstalten, uns durch das Tor auf das Gelände fahren zu lassen. Spätestens als wir ihm erzählen, dass in einer Minute der Aufbau der Backline beginnt und man doch zum auftretenden Folk gehören würde, greift er zum Telefon, um den Veranstalter aus dem Bett zu klingeln. Langsam aber sicher verstärkte sich der Verdacht, dass wir zumindest wieder mal den Rekord in Sachen Pünktlichkeit und "erster sein" gebrochen hatten. Spätestens beim Blick in den Hexenkessel stellten wir fest: Schattenspieler sind mal wieder die ersten Bekloppten am Ort des Geschehens!

 

Der Veranstalter - verwundert darüber, das wir die Timetable gelesen und ernst genommen hatten, vertröstete uns auf 9-10 Uhr. Dann würden die ersten vor Ort auftauchen. OK - 2 Stunden Pause. Was macht man mit der gewonnen Zeit? Richtig - Frühstücken. Zeit für tierrisches Eiweiß von McDoof.

 

Gegen 11:00 Uhr erwachte die Hardt dann solangsam aus dem Tiefschalf - die ersten Tech-Crews des Veranstalters trudelten ein und begannen die nach Zeitplan nun 3 verstrichenen Stunden wieder einzuholen. Gelang nur bedingt, weil alle Soundchecks dem zum Opfer fielen. Lediglich die Slowenen hatten die Chance, einen Line-Check zum Besten zu geben. Was uns aber nicht wirklich störte, waren wir doch noch zu beglückt über die spontane Entscheidung des Veranstalters, uns nicht als Opener zu verheitzen sondern auf den zweiten Startplatz zu katapultieren.

 

Gegen Mittag rollten in unser Backstage Zelt - in welchem praktischer Weise dar Haupt-Catering-Bereich mit aufgebaut war - die ersten feinen Speisen an. Schrippen, Obst, Süßkram. So wie es sich gehört. Im Allgemeinen bleibt schon mal festzuhalten, dass das Catering des Feuertal Festivals das Catering aus dem Gladhouse auf Platz 2 der Hitliste verdrängte. Sauberer Service - besten Dank an der Stelle an die Mädels vom LCB, die uns den ganzen Tag hegten und pflegten und immer guten Kaffee bauten :-)

 

Kurz nach der Mittagspause war der Merchandise-Stand schnell aufgebaut und wieder genügend Zeit, dem teils hektischem Treiben hinter der Bühne beizuwohnen. Mittlerweile waren auch die Herren von In Extremo und den Apokalyptischen Reitern eingetroffen, wobei die Reiter ein ziemlich lockeres und korrektes Bild abgaben.

 

Gegen 15:00 Uhr waren die letzten Line-Checks so langsam aber sicher abgeschlossen und die Tore zum Vorplatz der Waldbühne wurden für die Besuchermassen geöffnet. Welch Freude, in den Scharen aus Mittelalterfans viele vertraute Gesichter und noch mal mehr vertraute Schattenspieler-Shirts zu erblicken. Kurze Zeit später wurden auch die Waldbühne von den Fans in Beschlag genommen und die Slowenen begannen mit ihrer Show. Was bereits jetzt auffiel: Die Waldbühne war entgegen unserer Erwartungen bereits von Beginn an gerammelt voll - ein glückliches Los, welches der Opener sonst nicht so oft zu ziehen bekommt. Die Slowenen heitzten Wuppertal Stück für Stück ein - besonders der Geigenmensch hatte es in sich, flippte er doch die ganze Show wie ein Wilder über die Bühne als ob er Kilometergeld bekäme. Nette Truppe kann man auf jeden Fall sagen.

 

Ein Blick auf die Uhr - wird langsam Zeit für die letzten Vorbereitungen. Auf hinter die Bühne ...

 

15 Minuten Umbaupause für den Ab- und Aufbau der kompletten Backline inkl. Drums & Keyboards inkl. Soundchecks. Das sind die Momente kurz vor einem Auftritt, auf die sich jeder Musiker freut. Dank einer wirklich guten Stage-Crew des Veranstalters gingen alle Umbauarbeiten schnell von der Hand. Nach 10 Minuten stand alles und der Soundcheck konnte beginnen. Dumm nur, dass ich noch mit der Verkabelung und Tests meiner Technik beschäftigt war. Just in dem Moment, als ich meinen Monitor von Kreini einpegeln lassen wollte höre ich den Veranstalter auf der Bühne der Masse entgegenschmettern " UND HIER IST SCHATTENSPIELER !". Schlagartig war klar: Blindflug ist angesagt - Soundcheck ist Luxus und zudem nur was für Warmduscher ... da zählt Örkel schon an ... SHOWTIME!

 

An den Anblick dieser Menschenmassen kann man sich gewöhnen. Dieses Meer aus Metal- und Mittelalter-Rockfans, die größtenteils nicht wussten, was sie erwarten würde. Erst recht die InEx Fans in den ersten Reihen standen zu Beginn noch statisch abwartend.

 

Für Wuppertal hatten wir ein besonders knackiges Set zusammengestellt, galt es doch, die InEx Fans auf den rechten Weg des Darkrocks zu bringen und dem restlichen Haus eine granaten Show abzuliefern. Kreini schraubte wie ein Wilder auf der Seitenbühne, bis nach wenigen Songs on the fly auch mein Monitor erträgliche Maße angenommen hatte. Und was ging vor der Bühne ab? Mit jedem neuen Stück tauten auch die letzten skeptischen unter den 2000 auf und rockten mit uns die Hardt.

 

Guido - der am FOH Pult wieder Höchstleistungen verbrachte (schließlich gaben die meisten Fans nicht umsonst das Feedback, das unser Sound der ausgewogensten war), hatte auch sichtlich Spass, welchen er später im Schattenspieler FanForum wie folgt dokumentierte:

 

Also, erstmal soviel: GEILGEILGEIL!

 

Ich hab schon ne Menge Gigs gemischt, und fast alle von Schattenspieler, aber DER Job auf (meiner Lieblingslocation) der Hardt toppt alles! Ich weiss garnicht, wo ich mit dem Schwärmen anfangen soll. Vielleicht mit "The Last Stand": ich schau nach vorne, und zwischen der Stage und dem FOH gehen 2000 Armpaare in die Höhe! Von sowas kann ich noch meinen Enkeln erzählen! Das Publikum, von dem ich wohl annehmen darf, das 90 % vorher noch nie was von Schattenspieler gehört haben ging gut mit, nicht nur die Reihen direkt vor der Bühne [...] ich hoffe, das Gigs in dieser Größenordnung bald Schattenspieler-Standard sind, und ich weiss, das "Auftreten" für die Jungs NIE zur Routine wird. Keep the Power of Darkrock!

 

Selbst unsere Fans, die sich aufgrund der nicht gerade preiswerten Tickets das Konzert von den Anhöhen der Hardt genießen durften, rockten nach Augenzeugenberichten mit. Und ich könnte darauf wetten, durch den tobenden Applaus der Meute vor der Bühne Gravesister und Darkkits ganz weit oben über der Hardt uns anfeuern zu hören ;-)

 

Wie schnell 45 Minuten vergehen können erfuhren wir auch wieder schneller als uns lieb war - das "nur-noch-10-Minuten-Zeichen" des Veranstalters zwang uns leider, auf "Am Ende unseres Wegs" zu verzichten und direkt Caelum Obscurum zum kröndenden Abschluss zum besten zu geben.

 

Nach Beendigung des letzten Songs - die Stimmung der 2000 Mann aufsaugend - hatten wir unsere Mission ein weiteres mal erfolgreich erfüllt. Die Stimmung war einzigartig, ebenso wie der bis spät in die Nacht anhaltende Trubel an unserem Merchandise Stand. Mit vielen alten und vor allem neuen Fans wurde noch bei dem einen und anderen Bier geklönt und gefeiert, bis gegen 24:00 Uhr auch wir unsere Zelte abbrechen mussten. Backline einpacken, Autos beladen und ab zum Studio... was für ein Tag.

 

Dank an dieser Stelle natürlich an unsere fleissigen Helferlein im Hintergrund (Kreini, Guido, Claudi, Nadine, Verena, Hanna ...), an die überaus nette und hilfsbereite Truppe rund um Marcus vom LCB, an die Fans die uns vor der Waldbühne anfeuerten, an die Fans die uns im Hexenkessel diese unglaubliche Stimmung bereiteten und an Jürgen (EndOfTime), Matthes und Torsten (Picohunter) für die vielen Fotos !

 

See you on stage ... MAiTRE

 

„Es gübt koin Lüüüücht“

 

Samstag, 15:45 Uhr. Dafür, dass ich vor einer guten Stunde noch im Altersheim in Haßlinghausen stand, und mich mit dem Fördervereinsvorsitzenden über das neue Klavier unterhielt, bin ich von mir beeindruckt, dass ich jetzt in voller Schattenspieler-Montur vorm Hauptbahnhof stehe, und Matthes samt meiner Pizza einlade.

 

Die Parkplatzsuche an der Hardt gestaltet sich als unterhaltsam, (vielen Dank auch, Matthes, für den tollen Tipp in falscher Fahrtrichtung in einer Einbahnstraße zu wenden, wenn die Polizei direkt hinter mir ist!) und als wir endlich auf dem Weg sind, hören wir schön Naio Ssaion. (Glückstreffer des Tages, dass SCHATTENSPIELR erst als zweites spielen!)

 

Naio Ssaion sind ganz nett (anzusehen!), und ab und an lugt schon eine winkende Maitre-Hand, oder eine Ili-Haar-Pracht oder Ähnliches hinter den Slowenen hervor.

 

Halb keine-Ahnung wie spät. Kurze Umbau Pause und postieren auf der Bühne, und endlich, endlich ertönen mal wieder Schattenspieler-live-Klänge. Die Jungs starten mit „In Dunkelheit.“ Und was soll ich sagen? Der Sound ist F E T T !!! Die Stimmung ist gut. Wirklich gut. Dafür, dass viele euch noch nicht kannten, bleiben auch sehr viele vorne stehen, und schon nach dem ersten Lied ist der Applaus ganz anständig. Den jahrelangen Zugabe-Knaller „Schattenspieler“ hauen die sechs direkt als zweites raus, und spätestens bei dem lebenden Bösen, haben die Schattenspieler eine ganze Menge Fans mehr.

 

Einige In Extremo Fans, können nicht so lange ruhig halten, und werfen vor lauter Aufregung Knicklichter auf die Bühne, weil sie mit der Tatsche, (die mir schon seit Wochen klar ist, nämlich,) dass Schattenspieler einfach die beste Band des Tages ist, nicht klar kommen.

 

Die „Weicheier“ von Schattenspieler, wie die Combo von eben jenen gefährlichen Knicklichtwerfern tituliert wurden, können den Schmerz der Plastikscheiße verkraften, und rocken weiter besser den je zuvor.

 

„Es gübt koin Lüüüücht“ müsste einfach jeden überzeugt haben, dass Schattenspieler auch richtig knallen können. Die anfängliche Nervosität der Schattenspieler (besonders Dave, sah richtig aufgeregt aus!) scheint wie weggeblasen. „Totes Glück,“ „The Last Stand,“ „Am Ende unseres Weges,“ kommen genauso souverän rüber wie schließlich „Caelum Obsscurum.“ Nach anfänglichen Zögerlichkeiten, fragen mehrere 100 (oder gar 1000??) Kehlen brüllend „Quo vadiiiiiiiis?“ Leider vadimus absum, und der Gig war auch schon wieder vorbei.

 

Da ich von Musik ja keine Ahnung hab, sag ich dazu nix, außer: Ich fand’s super! J

 

Nee, sagen wir so, ich kann mich an kein Konzert erinnern an dem ich die Texte so gut verstehen konnte. Woran’s gelegen hat – keine Ahnung, aber war weltklasse.

 

Die Apokaliptischen Reiter und In Extremo fand ich nicht so gut. Wir standen vorm Bierstand rum, haben ab und an, wenn sich einer von den Schattis blicken ließ, die wahren Rockstars des Abends gefeiert und Spaß gehabt.

 

Jeder Toilettengang war insofern erfreulich, als dass die Mädels vom Merchandizestand immer höhere Verkaufszahlen verlauten lassen konnten.

 

Anschließend hab’ ich noch ne Corolla-Ladung voll Brocken in den Bunker gefahren.

 

Highlight des Tages: Neben der ganzen Setlist, selbige noch mal auf Papier, Thanks bet he mighty Ili!

 

Lowlight des Tages: Daves Versuch meine Autoantenne so lange zu erhitzen, bis er seine Zigarette daran erzünden kann.

 

Und sonst: Matthes, Danke für die Karte! (Trotz Allem!)

 

Stronks-Brothers – ihr seid super!

Und der ganze Rest natürlich auch!

 

Bis Wülfrath - Hanna

 

Feuertal Festival 2006

 

Wuppertal, Waldbühne Hardt 26.08.2006

 

 

Zum zweiten Mal lud das Feuertal-Festival nach Wuppertal zur Hardtbühne ein. Angekündigt mit Aktionsleuten und noch mehr Mittelalterflair als im Jahr zuvor hörte sich das ganze nach einer runden Veranstaltung an. Neben den Apokalyptischen Reitern und In Extremo als Headlinern waren die Schattenspieler und Naio Ssaion vertreten. Das Publikum war gemischter Natur, doch an den Shirts konnte man erahnen, dass die meisten wohl für den Headliner In Extremo angereist waren. Etwas erschreckend zu sehen war, dass viele junge Leute bereits um 15 Uhr total betrunken anreisten und man auch versuchte diversen Alkohol reinzuschmuggeln.

 

Vielleicht hätte man eher versuchen sollen etwas zu Essen reinzuschmuggeln, da das Essensangebot eher mager war. Ein Stand der Döner, Bratwurst und Pommes anbot wurde von ca. 3 Klamottenständen erweitert. Die angekündigten traditionellen Handwerker sowie die zahlreichen Aktionskünstler suchte man vergebens und Mittelalterflair war hier enttäuschenderweise überhaupt keines. Nur ein Metausschank verbreitet noch kein Mittelalterflair. Die Bühne ist recht klein und die ganze Location schmiegt sich an einen Fels an.

 

Musikalisch eröffneten gegen 16:00 Uhr Naio Ssaion (gesprochen nájo sájon) das Festival. Die Band wurde im Jahr 2003 in Slowenien gegründet und kann bereits einige nationale wie auch internationale Erfolge vorweisen und arbeitete schon als Support von Pink und In Extremo. Das Rock Hard- Magazin bezeichnet diese Musik als „modernen, groovenden Metal mit Evanescence-Einflüssen“. Die Musik war sicherlich sehr gut, doch vom Gesamttag her gesehen, passten sie irgendwie nicht ins Programm. Die Sängerin Barbara Jedovnicky hat eine klasse und ausdrucksstarke Stimme- auch der Rest der Band gab offensichtlich alles und besonders der Geiger war wohl auch in seinem Element. Doch die Rufe „Jo Germany Jo“ erinnerten mich eher an ein HipHop-Festival eben so wie „Jump Germany Jump, Jump, Jump“. Dem Aufruf folgten wohl einige, aber die Mehrheit des Publiums war nicht so zu begeistern.

 

Das änderte sich schlagartig bei den Schattenspielern, die wohl einigen bekannt waren. Das Headbangen wurde eingeläutet- auf der Bühne wie auch im Publikum flogen die ersten langen Haare durch die Gegend bei Songs wie „Das Böse lebt“ und „Es gibt kein Licht“. Metal und Gothic vereinen sich hier zu einer guten Mischung, auch wenn die – fast ausnahmslos deutschen-Texte schon fast zu finster sind um sie wirklich ernst nehmen zu können. Besonders beim jüngeren Publikum kamen die Schattenspieler aber so richtig gut an und die ersten begannen zu Pogen, mitzuschreien und in der Musik aufzugehen. Nach dem Auftritt hörte man auch die Zugaberufe, doch da die Zeit genau eingeteilt war war da wohl nichts zu machen. Immerhin liegt die Waldbühne in einem Wohngebiet und gegen 22 Uhr ist dann nun mal Feierabend.

 

Nun nahte Armaggedon mit den Apokalyptischen Reitern. Dem Beifall nach zu urteilen wurden sie schon sehnsüchtig erwartet und die Reiter legten auch gleich los mit einer klasse Show und zum ersten Mal war die Stimmung richtig hoch. Zugegeben: Mein Musikgeschmack war es nicht und das mir beim Fotografieren im viel zu engen Fotograben zwei Mal jemand beim Stagediving mit Stiefen voran auf den Kopf fiel steigerte meine Begeisterung auch nicht. Aber mir muss es ja auch nicht gefallen sondern den Zuschauern und deren Begeisterung kannte kaum Grenzen. Zum ersten Mal hatte die Security alle Hände voll zu tun die Leute zu bändigen. Sänger Fuchs gab Gas und animierte das Publikum es ihm gleich zu tun und auch der Sound passte. Aus ihrem neuen Album „Riders on the storm“ gab es gleichnamigen Song zu hören und ansonsten war das Repertoire sehr gemischt. „Barmherzigkeit“ und „Sehnsucht“ gab es zu hören und besonders beliebt war der Song mit dem Refrain „Die Sonne scheint mir aus dem …“. Caro aus dem Publikum wurde auf die Bühne geholt und von Fuchs auf Schultern getragen, was sie verständlicherweise total überwältigte. Nach der regulären Spielzeit gab es noch eine Zugabe, die ich etwas merkwürdig fand: Mit Cowboyhut bekleidet hörten wir „Yippiheyheyya“- das scheint wohl eher ein reiner Stimmungssong zu sein.

 

Der letzte Bühnenumbau des Tages stand an, schnell noch ein Bier geholt und dann sah man auch schon das Steuerrad auf der Bühne, mit dem In Extremo on Tour sind. Mit dem Song ‚Raue See’ eröffnete die Band um Leader Michael die Show, die nun wirklich alle Erwartungen traf. Man bot eine gewohnt gute Performance und gleich beim zweiten Song ‚Spielmannsfluch’ drehte sich das Steuerrad mit einem kleinen Feuerwerk. Jetzt war es ja auch endlich dunkel und man konnte nun die Lightshow und die Pryoeffekte endlich mal sehen. Michael war ziemlich erkältet und wirkte auch nicht ganz so fit, bewegte sich relativ wenig, aber der Rest der Truppe glich das locker wieder aus. Das Publikum schwer begeistert und sogar Kinder- die auf Papas Schultern saßen- sangen die Songs mit. Das Pogen schien dem Einhorn nicht ganz so gut zu gefallen und auch das Stagediving sah er nicht gerne; er empfahl den Leuten auf dessen Kopf sich das abspielte: „Kneift den Leuten in die Eier, wenn das eine kaputt ist, nehmt das andere“. Interessanter Tip, ich habe aber keine Schmerzensschreie gehört.

 

 

Die Songauswahl war mehr als gelungen und eine klasse Mischung, aus diversen Alben hörten wir z. b. „Ave Maria“, „Küss mich“ und natürlich auch „Wind“ und „Omnia sol Temperat“ durften nicht fehlen. Gute 17 Stücke boten uns In Extremo, mit Pryo- wie auch Feuereffekten und schönen roten Papierherzen, die auf die Bühne fielen. ‚Spielmann’ beendete dann die reguläre Spielzeit aber wir wussten ja alle, dass noch etwas kommen würde. In Extremo ließen sich auch nicht lange bitten und kamen mit ‚Erdbeermund’ und weiteren Songs noch einmal zurück. Dann begann der allgemeine Aufbruch und der Tag war auch schon wieder vorbei.

 

Das Festival gab es vor ein paar Jahren schon mal und nach einiger Zeit Pause startete es 2005 wieder neu. Das Line-Up war in dem Jahr durchaus besser zusammengestellt als in diesem Jahr und auch das Drumherum und die Organisation könnte man noch besser gestalten. Ich bin mal gespannt was es im nächsten Jahr vom Feuertal-Festival zu hören gibt.

 

Den Original-Bericht gibt es auf www.schwarzeseiten.de

Heavy Metal meets Hard Rock!

 

Feuertal Festival 2006

 

Wuppertal, Waldbühne Hardt 26.08.2006

 

Zum zweiten Mal strömten Besucher unterschiedlichster Szenen und Musikgenres zur Waldbühne Hardt und brachten von Anfang an gute Stimmung mit. Wer zeitig genug da war, konnte sich an Merchandise-Ständen ausrüsten, hier und da in CDs wühlen, sich neu einkleiden oder einfach nur ein bisschen umschauen. Auch der kleinen Hunger konnte versorgt werden, wobei die Auswahl sehr gering, zeitig ausverkauft und dazu noch teuer war. Für den großen Durst dagegen konnte schon eher Abhilfe geschaffen werden, auch wenn sich dies als sehr teures Vergnügen entpuppen konnte. Rasch füllten sich der Platz und die Reihen vor der Bühne und ohne großes Tamtam begann gegen 16.00 Uhr das Feuertal Festival.

 

Naio Ssaion, eine junge Band aus Slowenjen, eröffneten die Veranstaltung mit brachialen Gitarren und flinker Fidel. Sie wurden schon im Orkus als „Newcomer des Monats“ gekrönt und galten als Geheimtipp. Kein Wunder! Denn nicht nur als Support von In Extremo tourten sie durch Europa, sondern heizten auch schon das Publikum von Pink vor. Frontfrau Barbara Jedovnicky schien Anfangs zwar ein bisschen nervös, doch legt sich das bald. Das Publikum dagegen wirkte etwas skeptisch gegenüber der wild fliegenden Mähne von Violinist Rok Kolar, der aus seiner elektrischen Geige die höchsten Töne zauberte. Naio Ssaion spielten sich quer durch ihr Album „Out Loud“ und schienen trotz einigen technischen Problemen doch sehr zufrieden mit sich selbst. Für eine Zugabe hat es zwar nicht gereicht, was ich persönlich sehr schade fand, denn so blieb ihr absoluter Mitreißer „Shut Up“ aus, aber den ein oder anderen Fan konnten Naio Ssaion doch für sich gewinnen.

 

Nach einer kurzen Umbaupause wurde es für die „Lokal Heroes“ Schattenspieler Zeit, zu zeigen wo der Hammer hängt: Heavy Metal meets Hard Rock! Anhand der vielen Fan-Shirts konnte man sehen, dass sie schon eine große Fangemeinde um sich hatten und diese tat alles, um ihre Helden zu unterstützen. Das Publikum wurde bei den rockigen Songs richtig warm und so dauerte es nicht lange, bis die ersten Mähnen flogen und der Mosh-Pid in Bewegung geriet. Deftige Gitarren, abwechslungsreiche Melodien und David „Bigdave“ Essers unvergleichlich eindringliche Stimme steckten auch die restlichen Besucher von dem temperamentvollen Dark Rock an und Schattenspieler überzeugten mit einem professionellen und eindrucksvollen Auftritt. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Zugaberufe immer lauter wurden, doch leider ließ es der Zeitplan nicht zu. Diese Glanzleistung war für uns Grund genug, uns nach dem Konzert mit den Schattenspielern auf ein kleines Stell-Dich-Ein zu treffen und was dabei herauskam, könnt ihr hier nachlesen.

 

Viel Zeit zum ausruhen blieb nicht, denn der straffe Zeitplan musste eingehalten werden und Die Apokalyptischen Reiter standen schon in den Startlöchern. Ratzfatz füllte sich die Zuschauertribüne bis auf den letzten Zentimeter und die Reiter eroberten das Publikum im Sturm. Ältere Songs wie „Erhelle meine Seele“, „Wahnsinn“ oder „Sehnsucht“ und natürlich auch Stücke ihrer neuen Platte „Riders On the Storm“ gehörten ebenso zum Programm, wie Dr. Pests' liebevollen Hiebe, ja auch er kann „Barmherzigkeit“ zeigen. Den größten Spaß an diesem Abend hatte wahrscheinlich die junge Dame, die kurzerhand auf die Bühne geholt und von Fuchs Huckepack über die Bühne getragen wurde. Und endlich wurden die Besucher auch für ihre Zugaberufe belohnt. Mit „Unter der Asche“ und „Ghostriders In The Sky“ beendeten die Reiter ihre hervorragende Show und machten Platz für den Hauptakt des Abends.

 

Wer meinte, dass sich das Publikum bei den Apokalyptischen Reitern schon völlig verausgabt hat, lag komplett falsch. In Extremo holten einmal tief Luft und schon gehörte mit dem Opener „Raue See“ die tanzende, singende Menge ihnen. Zwar war Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein durch eine Halserkrankung ein wenig lädiert, doch tat das der Stimmung keinen Abbruch und dass deswegen der Gig weder gekürzt noch gestrichen wurde zeigt, dass In Extremo noch immer viel Wert auf ihre Arbeit und ihre Fans legen. Kinder, sowie Erwachsene sangen zu Klassikern wie „Der Spielmannsfluch“, „Küss mich“, „Mein rasend Herz“ und „Ave Maria“ mit und die spektakuläre Feuer- und Pyroshow ließ die Waldbühne erstrahlen. Mit Ansagen zwischen den Songs wurde diesmal gespart und so schmetterten, trommelten und rockten die Musiker von Anfang bis zum Ende, auch wenn es ein wenig den Anschein hatte, dass die Spiellust nicht ganz 100% betrug, was nach einer langen Tour, Erkältung und viel Arbeit auch kein Wunder ist. Nach zwei Stunden waren dann auch In Extremo am Ende, hatten allerdings noch genug Power um drei Zugaben zu spielen, unter anderem „Erdbeermund“ und dem Publikum ein letztes mal ordentlich in den Hintern zu treten.

 

Somit erloschen langsam die Lichter auf der Waldbühne und ein spitzenmäßiges Feuertal Festival ging zu Ende. Hoffen wir, dass auch nächstes Jahr wieder ein so tolles Line-Up geboten wird und sich die Preise der Gastronomie ein bisschen bessern.

 

Cherub

 

Den Original-Bericht gibt es auf www.eulenthal.net

HEAVY METAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAL!!!!!

Schattenspieler

 

Wuppertal, Feuertal Festival 26.08.2006

In einem kleinen Ort im Herzen Nordrhein-Westfalens taten sich ein paar Musiker zusammen, um mit einem mächtigen Knall in das neue Jahrtausend zu starten. Gleiche musikalische Vorlieben, Spaß am Experimentieren und künstlerisches Talent waren die besten Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Laufbahn... nur eines fehlte: der Sänger. Doch auch dieser wurde gefunden und von nun an stand den Schattenspielern nichts mehr im Weg.

Auf dem diesjährigen Feuertal Festival hatte das Eulenthal Team das Vergnügen, mit den Musikern von Schattenspieler ein wenig zu plaudern und den sympathischen Jungs auf den Zahn zu fühlen.

 

Schattenspieler: Von wem seid ihr? Eulenspiegel?

 

Nee, Eulenthal... der Eulenspiegel ist doch ein Satire-Magazin.

 

Na, das passt ja.

(Alles lacht)

 

Wie wir wissen, ist aller Anfang schwer. Auch ihr hattet zu Beginn ein "kleineres" Problem, da euch ein geeigneter Sänger fehlte. Wie verlief die Suche?

 

Ohje, das war ein langer Weg. Wir haben ewig gesucht, zu Castings geladen und haben uns von bekloppten Irishen Sängern bis Soulsängern alles angehört. Eines Tages war Party in der Drehscheibe (Wuppertal) und unterhielten uns lange mit David...

 

David: ... ja das war ein langer Abend... Last but not least: ich kam zur Bandprobe und sang den Text von der Rückseite der Warsteiner-Flasche, that's it!

 

Und seit dem habt ihr sehr viel Zeit und Arbeit investiert.

 

Genau. Wir arbeiten viel an unserem Programm und an Texten.

 

Texte ist ein gutes Stichwort. Die meisten eurer Texte sind Deutsch. Ist das nicht etwas ungewöhnlich?

 

Ganz und gar nicht. Natürlich hatten wir Anfangs ein paar Probleme, weil wir oft mit „Schlager“ in Verbindung gebracht wurden.

 

Schattenspieler und Schlager, na das passt ja wie die Faust auf'n Topf.

(wieder herzhaftes Gelächter)

 

Wir finden, deutsche Texte sind verständlicher, so kommt die Message besser rüber.

 

Wie würdet ihr jemanden, der eure Musik nicht kennt, diese beschreiben?

 

Oh, das ist gar nicht so nicht einfach. Da jeder seine eigenen Ideen hat und mit einbringt, entstehen viele unterschiedliche Sachen. Aus Hard Rock wird Dark Rock!

 

Ihr seid auch sonst sehr fleißig, z.B. was die Produktion eurer CD angeht.

 

Stimmt, wir haben alles selbst in die Hand genommen. Es ist eine Eigenproduktion, selbst gemastert und veröffentlicht. Sogar Verhandlungen und das Organisatorische übernehmen wir.

 

Ihr habt nun auch schon eine ganze Menge Auftritte hinter euch. Welche waren euch die Liebsten? Große Festivals oder lieber Konzerte im kleineren Kreis?

 

Beides ist sehr reizvoll und hat seine Vor- und Nachteile. Bei großen Festivals ist in der Regel der Sound besser und man lernt mehr Leute kennen. Bei kleineren Veranstaltungen ist es oftmals spaßiger und man hat mehr Nähe zum Publikum.

 

Und wie hat euch das Feuertal Festival gefallen?

 

Normalerweise spielen wir vor 300 bis 600 Leuten. Der Auftritt beim Feuertal Festival war aber ein absolutes Top-Erlebnis - geile Stimmung, super Publikum und auch sonst hat alles gepaßt.

 

Obwohl euer Gig gekürzt wurde?

 

Es ist immer Sch***e, wenn ein Auftritt gekürzt wird, aber es ist ok, wenn damit der Hauptakt auf seine Spielzeit kommt.

 

Hattet ihr auch die Möglichkeit, mit anderen Bands in Kontakt zu treten?

 

Mit Naio Ssaion haben wir uns gut unterhalten. Sie sind sehr nett und cool drauf. Es hat uns sehr gefreut, dass wir sie kennen lernen durften.

 

Ihr hattet zwar schon viele Auftritte, aber wie sieht es mit der Nervösität aus?

 

Oha, wir sind immer noch sehr nervös bevor es auf die Bühne geht. Es ist zwar schwer, an Gigs zukommen, aber wenn man gebucht wird, dann nur deshalb, weil die Leute denken: „Das passt zusammen!“ Tja, und manchmal passen die musikalischen Stile eben nicht. Aber die Hauptsache ist, dass das Publikum und die Bands Spaß haben.

 

Es heißt, dass sich Bassisten immer hinterm Schlagzeuger verstecken (kleiner Scherz). Uns ist aufgefallen, dass Ilija, euer Bassist, in erster Reihe neben David „Bigdave“ spielt. Stehen da nicht normalerweise die Gitarristen?

 

(wie aus einem Munde): Ilija - „Die headbangende Feuersäule“ ... der Mann ist Porno!

 

Aaaaha! Ja, nachvollziehbar *g* Kommen wir langsam zum Schluss... Möchtet ihr euren Fans noch etwas mit auf den Weg geben?

 

Ja klar! Danke euch allen für den Support und Danke für die Partys.

Ilija: Verneigung vor allen, die mit uns feiern wollen!

David: HEAVY METAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAL!!!!!

 

Wir bedanken uns ganz herzlich für eure Zeit und das Interview, es hat sehr viel Spaß gemacht ;-)

 

Anmerkung Schattenspieler: Vielen Dank dem Eulenthal Team für das kurzweilige Interview!