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Schattenspieler live @ WüRG im Park Festival 16.08.2008

Stadtpark, Wülfrath

Jenseits des Horizonts

Eine Sicht aus der Augen der Rampensau...

Als ich Freitagnacht, nachdem ich aus dem Hotel ausgecheckt hatte, mit vollgepacktem Koffer im Auto meines Kollegen nach zweiwöchiger Dienstreise Richtung Heimat fuhr, hatte ich nur eins im Kopf: “Der morgige Tag wird eine Katastrophe!”

 

Seit Wochen nicht im Proberaum und etliche Tage nicht im Internet gewesen, kannte ich noch nicht einmal die Setlist, die wir am darauffolgenden Tag zum Besten geben sollten. Alles, was ich wußte, war, daß wir auf dem WüRG im Park Festival anstelle der angedachten 45 Minuten nun doch 60 Minuten Spielzeit hatten und daß ich außerdem zwei Gastauftritte zu absolvieren hatte, deren jeweils etwa einstündiges Einstudieren schon so viele Wochen hinter mir lag, daß ich mich weder an Text noch Melodie der jeweiligen Stücke erinnern konnte. Als ich endlich zuhause angelangte, hatte ich aber erstmal alles aus dem Kopf, also riß ich mir noch in Windeseile ein kühles Blondes in den Schädel und schlummerte mit dem nagenden Gefühl der Ungewißheit im Bauch in einen unruhigen Halbschlaf, aus dem ich viel zu früh wieder erwachte, und der sich beim besten Willen nicht fortsetzen ließ.

 

Am Morgen des ereignisreichen Samstages, dessen Verlauf ich euch hier schildern will, ging ich seit Langem zum ersten mal wieder online, um herauszufinden, wann wir spielen, was wir spielen, wie ich dorthinkomme und wann ich dasein soll. Glücklicherweise hatten die Jungs inklusive Mario (Decher, Management) bereits eine Tracklist zusammengeschustert, die ich so tatsächlich singen, also kommentarlos stehen lassen konnte, und so ging ich nocheinmal die Lyrics von The Mystery’s “Hell’s Gate” durch. Relativ erstaunt als auch erleichtert stellte ich fest, daß ich diese noch vollkommen beherrschte. Anders sah es da bei den eigens geschriebenen Stücken aus: Tracks wie “In Ewigkeit Amen” oder “Totes Glück” hatte ich schon vor Monaten totgehört, im Gegensatz zu “The Mystery” laufen meine eigenen Stücke mittlerweile wenn überhaupt nur eher unfreiwillig in Zufallsplaylists. Dementsprechend lückenhaft war auch mein Gedächtnis, was einige Schattenspieler-Stücke anging und ein mulmiges Gefühl machte sich in mir breit. Ich konnte mich nicht vernünftig konzentrieren und vor Allem die Wechsel zwischen Oli Henrichs und meinen Vocals bei “In Love With A Stranger” wollten mir einfach nicht im Gedächtnis bleiben, weshalb sich der ‘Play Count’ des Stückes in meinem iPod binnen kürzester Zeit mal eben verdreißigfachte. Ungewiß, wann es denn losging (auf eine entsprechende Frage im geschlossenen Bereich des Fanforums bekam ich nur ein lapidares “Keine Ahnung. Irgendwer holt Dich halt irgendwann ab”), versuchte ich, ruhig zu bleiben, rannte wie ein Tiger in seinem Käfig durch mein Chaos, duschte, zog drei verschiedene Bühnenoutfits an und wieder aus und war generell extrem unentspannt.

 

Als ich gerade den Satz “Das wird mir jetzt alles zu unsicher, ich nehme mir ein Taxi” in meinen Mac hackte, klingelte es an der Tür. Claudia, eins unserer Crew-Mädels, war gekommen, um mich zu holen. Gerade noch rechtzeitig, um auf dem Festival noch schnell einen Happen zu essen, sich bei allen möglichen Fans und Freunden mit einem entschuldigenden Lächeln ‘bis später’ zu verabschieden und im Backstagebereich das nervöse auf-und-ab fortzusetzen. Zwischendurch nochmal kurz die Setlists mit ‘The Mysterys’ Korry abgeglichen, um zu wissen, wann man eigentlich dran ist, fiel mir auch siedendheiß ein, daß ich Oli von ‘Bouce’ dringend sagen sollte, daß er bereits bei unserem ersten Stück mit auf der Bühne stehen würde. Oli hatte ebenfalls keine Gelegenheit gehabt, ‘In Love With A Stranger’ mit uns zu proben, dem routinierten Musiker fiel es jedoch offenbar leicht, den Song von der CD respektive aus dem Gedächtnis zu zitieren. Sobald ich ihm sagte, daß er nach “The Mystery” bereits dranwäre, wurde selbst er jedoch schlagartig nervös und begann, aufgeregt hin und her zu hüpfen und mit spontanen Soundausbrüchen seinen Kehlkopf auf Kommendes vorzubereiten.

 

Daß ich The Mystery aus Gründen der eigenen Anspannung nicht von der anderen Seite der Bühne aus erleben konnte, ärgerte mich besonders, als mein Lieblingslied “Vengeance Is Mine” erklang, welches gleichermaßen das Zeichen war, mich in die Startlöcher zu begeben. Von dem, was ich vom Bühnenmischpult aus sehen konnte, waren schon ordentlich viele Leute vor der Bühne.

 

“...und da wir den Hals nicht vollkriegen können, geben wir uns auch nicht mit nur einem Schattenspieler zufrieden”, scherzte Korry soeben mit einem Zwinkern in Richtung Ili, der beim diesjährigen Wülfrather Open Air den Ersatzmann für den “The Mystery”-Basser Christian mimte, “Hier kommt Dave!”

 

Es war schon fast ein Bißchen gruselig, wie plötzlich alle Anspannung von mir wich: In der einen Sekunde noch ein verkrampftes Häufchen, fand ich mich plötzlich zuversichtlich lächelnd vor dem Mikroständer wieder, die Nervosität war wie ein exorzierter Geist von mir gewichen und ich atmete zum ersten Mal an diesem Tag tief durch. Die ersten Klänge ertönten und ich lieferte mir mit Korry einen vokalen Schlagabtausch, als hätten wir unser Leben lang nichts anderes getan, als uns gegenseitig ins Nirvana zu singen. Wohl wissend, daß wir uns voreinander was Härtegrad und Klangtreue angeht nicht zu verstecken brauchen, hatte ich eine Riesenfreude an Korrys markerschütternd rauhem Organ, während wir uns gegenseitig zu Maiden-lastigen Riffs düstere Phrasen um die Ohren fetzten. Als ich den Refrain mit einem hohen Shout zu krönen gedachte, ersoff ich fast in meiner eigenen Herrlichkeit, und so war es gut, daß das Solo einsetzte, bevor ich Gelegenheit hatte, abzuheben. Auch auf diesen Moment war ich vorbereitet, hatte ich doch extra als Hommage an Alexander... pardon: Alex-“Thunder” Martins notorische Sonnenbrille meine Eigene mitgebracht. Wer’s als Veraschung sah, mag dies getan haben, die meisten Lacher waren jedoch mitnichten Ursprung der Schadenfreude, sondern auf Alex’ und meiner Seite, wie’s ja auch geplant war. Ein letzes Duell, ein letzter Shout und schon lag ich Korry in den Armen, mein Blut komplett durch Adrenalin ersetzt, Feuer in den Augen und den Teufel im Genick. Ich mußte runter von der Bühne, obwohl ich viel lieber geblieben wäre und mich durchzuckte der Gedanke, daß ich, wenn ich keinen Melodic Dark Metal machen würde, für klassisches Old School-Geballer ganz sicher leicht zu begeistern wäre.

 

Ich verbrachte den Rest des Mystery-Gigs mit Biertrinken und auf-dem-Hocker-rumrutschen, als es dann endlich losging. Uwe hatte Sorge, daß ich mich beim Gastauftritt schon zu sehr übernommen hatte, um den Rest der Show noch volle Leistung bringen zu können, aber ich hatte keine Zeit, mir darüber näher Gedanken zu machen: Oli und ich standen bereits scharfgeschaltet und höchst entflammbar am Bühnenmischpult, als das Intro zu “In Love With A Stranger” losging. “Du zuerst”, hörte ich mich noch sagen, als ich dann auch kurz nach ihm die Bühne betrat.

 

Ich musste mich sofort dazu zwingen, nicht darüber nachzudenken, wieviele Menschen plötzlich da draußen standen, sonst hätte ich meinen Einsatz verpaßt.

 

Oli war pure Energie, feuerte das Publikum ununterbrochen an und zeigte ganz im Gegensatz zu unserer gemeinsamen Aufnahme auf der ‘Lux & Umbra’, daß ich ihm in Sachen knallharter Heavy Metal Vocals nichts vormachen konnte. Ungewohnt hart schmetterte er mir seinen Teil des Songs entgegen, daß mir die Luft hätte wegbleiben können, wäre ich denn ein Zuschauer gewesen. Es war dieser Augenblick, in dem ich euch da draußen am Meisten beneidete, denn obwohl der Bühnensound alles Andere als schlecht war, wußte ich: da draußen stand Guido Löhr, der Chef des Stage Teams persönlich, der es sich nicht nehmen läßt, soweit er es einrichten kann, zu jedem Schattenspieler-Gig persönlich zu erscheinen uns selbst Hand anzulegen. Unnötig zu erwähnen, daß der routinierte Langhaarige, der seinen Job bereits seit über dreißig Jahren erfolgreich absolviert, mal wieder beste Arbeit leistete, ich konnte die Echos meiner eigenen und auch Olis Stimme klar und deutlich vernehmen und eure Gesichter waren tausende Spiegel des Spaßes, den wir auf der Bühne hatten. Der Song steigerte sich in ein Crescendo, welches Oli so brilliant und energetisch abfeierte, daß Jon Bon Jovi hätte vor Neid erblassen können, wäre er denn im Publikum gewesen. Wenn ich Olis Performance auch immer wieder gerne vor der Bühne stehend genieße, so war dieser eine Auftritt bei uns für mich seine bislang beste Bühnenarbeit, da er es fertigbrachte, seine eigene beeindruckende Leistung von der ‘Lux & Umbra’ um Längen zu steigern, mit seinem üblichen Bon Jovi Stil zu brechen und rauhe Heavy Metal Vocals ins Publikum zu feuern, die ihresgleichen suchen und dem Song einen so gewaltigen Abgang zu verpassen, daß er fast wie die Premiere eines neuen, besten Liedes auf mich wirkte. Hut ab, Mann!

 

Viel zu schnell war das erste Stück vorbei, und mit gekreischtem “SCHATTENSPIELER!!!”, was vom Publikum mit laustarkem Johlen beantwortet wurde, verließ Oli vorerst die Bretter, die die Welt bedeuten. “SCHATTENSPIELER!”, echote ich und das ließen sich die Jungs nicht dreimal sagen. Ein gewohntes Riff erklang und der Routine-Teil des Konzertes sollte beginnen.

 

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe den Song. Er ist für mich neben “The Last Stand” das musikalisch Beste, was René je abgeliefert hat, aber ich habe den Song inzwischen so oft gehört und gespielt, daß ich ihn rückwärts kotzen kann. Wenn ihr mal in einem Interview einen Musiker auf die Frage, ob er von diesem oder jenem Song nicht irgendwann mal die Schnauze voll hat antworten hört: “Och nö, das ist doch immer wieder geil”, dann notiert euch im Geist: Der Typ ist voller Scheiße. Ich singe ‘Schattenspieler’ jetzt seit annähernd zehn Jahren und während ich ihn als Routineteil unserer Show sehe, geht er mir im Proberaum mittlerweile gehörig auf die Eier. Was aber geschah mit euch, als ich den Song mit “Ich bin das Auge in der Nacht...” begann? Ich weiß nicht, ob es eure schiere Masse, die Lautstärke oder die Textsicherheit war, mit der ihr den kompletten Song abgefeiert habt, aber mir wurde plötzlich schwindelig und ich starrte ungläubig ins Publikum, jetzt zum ersten Male wirklich die erdrückende Masse wahrnehmend, in welcher sich unser Publikum vor der Bühne versammelt hatte. Mit einem Mal war ich nicht mehr Sänger sondern nur noch unterstützender Chorleiter, ich fühlte mich wie auf einem Böhse Onkelz- oder Blind Guardian-Konzert. Jede einzelne Zeile, jedes einzelne Wort meines vor Ewigkeiten geschriebenen Textes schallte mir aus Hunderten von Kehlen entgegen, was gut war, denn ich war sprachlos. Soetwas hatte ich noch nicht erlebt. Nicht auf dem Gig mit In Extremo, der bis Dato mit zweitausend Zuschauern unser Größter gewesen war, nicht auf dem Gig mit Axxis in der Börse. Nirgendwo. Ab diesem Moment war nichts mehr Routine. Hobbel, Uwe, Ili MAiTRE und Strilli - und nicht zu vergessen meine Wenigkeit - kannten kein Erbarmen mehr. The Last Stand wurde nicht mehr gespielt - er wurde zelebriert. Mir war egal, ob meine Kraftreserven bis zum Ende der Show reichen würden, ich sang jede Silbe, als wäre es meine Letzte. Die Jungs spielten sich die Finger wund und Strilli, der horrausragendste Trommler, mit dem ich jemals die Ehre hatte, auf der Bühne stehen zu dürfen, kloppte Dinger auf die Felle, die diesen Song in etwas Erhabenes verwandelten, von dem ich nicht begreifen wollte, daß es noch immer Schattenspieler war, daß ich noch immer auf der Bühne und die Jungs um mich herum noch immer meine Bandkollegen waren. Ich flog zum erstenmal so hoch, daß ich jenseits des Horizontes blicken konnte, der meine Welt als Lokalmatador der Wülfrather Rockszene bis zu diesem Tage eingegrenzt hatte.

 

Wohl wissend, was jetzt kam, verabschiedete ich mich in Anlehnung an In Extremos freundlichen Umgang mit Menschen vor der Bühne vom Publikum mit einem arroganten “Ich hab jetzt keinen Bock mehr, Tschüss!”, was natürlich nicht ernst genommen und mit höhnischem Gelächter quittiert wurde. Und schon gab es ein Wiedersehen auf der Bühne, welches nicht nur uns, sondern auch euch sichtlich begeisterte: Korry war wieder da und schmetterte ungewohnt tief, nämlich in meiner Tonlage, den ersten Vers von “Sister Terror” ins Mikro. Gewohnt tonlagentreu, ein Traum aus Haaren, knallengem Leder und tätowiederter Haut, dessen kratzbürstige Stimmgewalt auch ohne Mikro bis ans Ende des laut Zeitungsberichten mit vier- bis fünftausen Leuten (?!?) gefüllten Platzes gereicht hätte. Ich entsinne mich noch an den Tag, an dem Korry zum ersten Mal unser Proberaumhaus betrat, den Text entgegen nahm und den Song sang, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Selten, ich wage fast zu behaupten: nie habe ich mit einem professionelleren und unkomplizierteren Widerpart zusammengearbeitet und ich freue mich jetzt schon auf (oh freuet euch: bereits geplante) zukünftige Zusammenarbeit mit dieser wunderbaren Rock- (Rock? Ach was: Metal-) Röhre. Fast schien es mir, als wolltet ihr Korry gar nicht mehr gehen lassen. Wie es sich für Gentlemen gehört, begleiteten wir die Dame auch anständig in den Backstagebereich, als (HURRA - EINE PREMIERE!) erstmals die Klänge des Intros von “In Ewigkeit Amen” von unserer kommenden CD ‘Babel’ erschallten, was wiederum vom kaum noch aus der Ruhe zu bringenden Publikum mit Jubelrufen quittiert wurde. Gemäßigt schritten wir, als es den Orgelpart einleitete, zu unseren Instrumenten zurück und stimmten die ersten Töne an, als ich plötzlich von mir selbst unterbrochen wurde, wie ich erneut Babels Untergang heraufbeschwor.

 

Schon mal ein Deja-vu gehabt? Schonmal ein Deja-vu gehabt?

 

Wat nu? So kann ich nicht arbeiten, dachte ich und das sagte ich auch. Aus dem Versuch, ernst zu bleiben, wurde nichts, ein Blick in die Runde zeigte, daß die Band bereits ebenfalls am Johlen war und auch im Publikum tauschten sich verwirrte Blicke mit amüsiertem Lachen. Offenbar hatte irgendwer den CD-Player auf “repeat” gestellt, was dem theatralischen Beginn des Liedes dann zwar jedweden Pathos nahm, ihn dafür aber um eine komödiantischen Komponente bereicherte.

 

Auch “In Ewigkeit Amen” wurde so lautstark und frenetisch vom Publikum gefeiert, daß ich mein einige Songs früher gegebenes Versprechen, ich würde den Rest meines Hauphaares öffnen, wenn mein Auditorium mich laut genug unterstützte,nun einhalten musste. Eigentlich hätten mir drei Kilo neue Haare wachsen müssen, so wie ihr da unten abgegangen seid.

 

Gedächtnisnotiz: “Es Gibt Kein Licht” nach “In Ewigkeit Amen” grenzt an Selbstmord. Von operettenartigen Vocals übergangslos in Trash Metal Vocals überzugehen kann und wird Atemnot, weiche Knie, vorübergehende Blindheit und Gleichgewichtsstörungen hervorrufen. Ich weiß nicht, wie es euch ging, aber ich war nach dem Song reif für den Bierstand. Im Sitzen.

 

Aber nix da. Durch “Totes Glück” und “Am Ende Unseres Wegs”, unterlegt von Tuschys genialer Lichtshow, wurde mit voller Wucht und gnadenlos weitergepowert. Die Jungs waren noch nicht platt, ihr wart noch topfit, also mußte ich durchhalten.

 

Mann, was war ich froh, daß ihr mir dann auch beim Schlußlicht unserer Show unter die Arme greifen konntet. Eigentlich hätte ich zum Ende des Songs hin das Mikro an den Ständer hängen und mich zu euch gesellen können, ihr wart ohnehin lauter als ich. Ich bin oftmals auf Schattenspieler-Konzerten etwas enttäuscht gewesen, weil ich immer das Gefühl hatte, es ginge noch ein Stückchen lauter, aber dieses Mal war ich sprachlos, überwältigt. Das Publikum sang sich mit Inbrunst die Kehlen heiser, als gäbe es keinen Morgen. Wenn in diesem Augenblick die Welt untergegangen wäre, ich hätte gelacht und “Yeah!” geschrien, so glücklich und erfüllt war ich.

 

“Mit dreißig”, das habe ich mir die letzten 15 Jahre immer wieder selbst zugeflüstert, “bist du entweder tot oder Rock Star!”

 

Als ich die Bühne (natürlich mit einem euch gebührenden Hechtsprung ins Publikum) verließ, wußte ich: Wir hatten unseren bislang besten Gig abgeliefert. Die Chemie zwischen Band und Publikum war noch nie so geil, die Performance jedes Einzelnen Musikers, von euch angefeuert, nie besser.

 

“Jetzt bist Du Rock Star!”, dachte ich, als ich auf Händen getragen durch das Publikum segelte, “Jetzt sind wir soweit!”

 

Ein Wiedersehen mit Oli gab es dann doch noch, als ich eine halbe Stunde später, noch immer aus dem letzten Loch pfeifend, mit “In Vain”-Sänger Bene und den unverschämt gut aufgelegten Jungs von “Bounce”, die jedes Stück mit Bravour und Leichtigkeit runterzockten, ein letztes Mal für diesen Abend mit einigen von euch feiern durfte, dieses mal zu den Klängen von Neil Young’s “Rocking in the free world”. Schön war’s und der Bounce Gig generell ein krönender Abschluß eines gelungenen Abends.

 

Wenn der Abend auch zuende, das Konzert auch vorbei ist, macht euch auf was gefaßt, Freunde, denn das war noch lange nicht alles. Nach der Show ist vor der Show.

 

Wir sehen uns dort draußen.

 

Euer Dave

"Schattenspieler vs. Heimat-Fan-Front"

 

Am 16.08.2008 rief die WüRG zum "Rock im Park" nach Wülfrath, wo unter anderem Bands wie Kermit, The Mystery, Bounce und natürlich auch die Schattenspieler den Stadtpark in Wülfrath in Schutt und Asche legen sollten.

 

Um 17:23 Uhr machte sich dann auch die Wuppertaler Fangemeide auf den Weg, den Park zu entern. Nach dem wir die Busfahrt überlebt hatten (was nicht so leicht ist, wenn man mit so einem Chaotenhaufen die Fahrt antritt) und die Lachmuskeln warm gelaufen waren, erreichten wir das Festival-Gelände, wo wir als erstes in Breckis Arme liefen. "Hey Gesocks, kein Flaschenbier auf dem Gelände!". Nette begrüßung Brecki *lach, aber die Glasmantelgeschosse wuden ebend vernichtet, Brecki gebührend begrüßt und dann ging es auf Erkundigungstour.

 

Und so strömten wir sternförmig aus. Die einen suchten den Ort, der der Blase Erleichterung verschaffen sollte, Biervernichtungsmaschine Stephan fand durch sein Bierpeilgerät direkt den Weg zum Bierstand während die Fressmonster *hehe unter uns schnell die Grillstation gefunden hatten.

 

Derweil rockten Kermit die Bühne, die eine garnicht so kleine Fangemeinde ihr eigen nennen konnten und somit den Countdown für The Mystery und die Schattenspieler (die Bands, für die ich den Weg nach Wülfrath auf mich genommen habe) einleuteten.

 

In der zwischen Zeit traf man immer mehr bekannte Gesichter und unter uns funktionierte der Biernachschub 1a.

 

Bis dato hatte man außer Maitre keinen von den Schatti Jungens gesehen. Kurzer plausch, austausch über die Neuigkeiten und schwubs war auch Maitre wieder verschwunden. Kuz bevor The Mystery die Bühne ihre nenne sollte, erspähte man Dave, der innig seine Waffel mit Kirschen verschlang und Ili, der mit seine besseren Hälfte Bö eine Platzrunde - mag man es auch Begrüßungsrunde nennen - angetretten hatte. Hobbel kreuzte dann auch noch unseren Weg, den wir erstmal für einen Plausch in Beschlag namen.

 

Es muß so irgendwie gegen 20 Uhr gewesen sein - oder später, keine Ahnung, das Zeitgefühl war nicht meins an diesem Abend, aber die ersten Klänge von The Mystery erklangen.

 

Ili stand der Band als Aushilfsbasser zur Verfühung. Ili erhält dafür vom eigendlichen Bandbasser eine Kiste Krombacher. Was tut man nicht alls für eine Kiste Gold*grins.

 

Ein Song jagte den nächsten. Mein Highlight: wie immer das Duett zwischen Korry und Dave. The Mystery waren wie immer Bühnenfest, rotiniert und getragen von der Fangemeide.

 

 

Während der Umbaupause schnell nochmal das stille Örtchen aufgesucht, Bier geholt und dann ab vor zur Bühne. Vor der Bühne hielt ich Ausschau nach dem neuen Schlagzeuger der Schattenspieler, der heute ja anwesend sein sollte. "Ey Hobbel wo ist der neue?" Eine Stimme von links erklang: "Der steht neben dir!" Ups typisch Sandra. Das Gelächter war groß, aber nu hat auch für mich der neue Schlagerzeuger André ein Gesicht ;-).

 

 

Nach dem die Schattis ihren Linecheck vollbracht hatten, erklangen die ersten Takte von "In love with stranger". Der Startschuss zu Schattenspieler vs. Heimat-Fan-Front war gegeben. Oliver Henrich stürmte die Bühne. Er legte los und lieferte ein perfektes Duett mit Dave ab. Wow, was für ein Paket.

 

Spätestens nach dem 2. Song "Schattenspieler" wurde den Schattis klar, der Sieg würde heute an die Fans gegen. Was war das für eine Hurricane vor der Bühne.

 

Das fette zufriedene Grinsen von Dave war nicht mehr zu stoppen.

 

Aber warum in Gottes Namen hat Dave seine Haare nicht auf? Also "Dave mach die Harre auf" wurde angestimmt. Darauf folgte erstmal eine Aufklärungsstunde Daves, das wohl ab einem gewissen Alter das Haupthaar wohl nicht mehr so vorhanden sei. Hm... wenn interesiert, ob da ein paar Verluste statt gefunden haben. Die Harre sind da, sie sind lang, also bang einfach! *grins

 

Wer schließlich von Bernhard Weiss (Sänger von Axxis) life bestätigt bekommen hat, das er die Stellung der Langhaarigen halten muss!. *fettgrins Dave versprach, wenn wir bei "Es gibt kein Licht" laut genug sind, das Haargummi fliegen lernen zu lassen.

 

Und in der Tat, als Songs wie "The last Stand" und "Es gibt kein Licht" folgten, hielt es auch Dave nicht mehr aus und die Haare fingen an zu fliegen. Natürlich folgte einer meiner Favoriten "Sister Terror", ein Duett zwischen Korry (Sängerin von The Mystery) und Dave. Hammer!!!

 

In der Zwischenzeit hatte diesmal nicht Ili sich oben rum blank gezogen, nein Strilli, der Sessiondrummer, was natürlich begeistert von den Fans aufgenommen wurde. Leider war dieses der Abschiedsgig für Strilli, aber ich hoffe, die Heimat-Fan-Front hat Dich gebührend verabschiedet.

 

Zitat Dave "Wüfrath hat wenig Einwohner aber die sind heute abend alle hier".

 

Es war aber auch wirklich unglaublch, wie und vor allem was im Publikum ab ging. Ich hab ja viel erwartet, aber was da an Fangesang zurück kam, überrannte auch einen Dave, der es teilweise selbst nicht glauben wollte, was für eine gewaltige Front dort vor ihm stand.

 

Nach dem gestrigen Konzert kann Dave jetzt noch eins in seinen Memoaren aufnehmen. Er hat es geschafft 20 Weiber auf einmal feucht zubekommen! Naja, wenn man das Publikum auch mit einer "Wasserflaschenleermachaktion" tauft, ist das ja auch nicht schwer. ;-)

 

Es folgten noch Songs wie "In Ewigkeit Amen", "Am Ende unseres Wegs" und "Caelum Obscurum". Man möge mir verzeihen, wenn ich nicht alle Songs mehr im Kopf habe, geschweige denn die genaue Reihnenfolge, aber das liebe Bier hat ja bekanntlich so seine Nebenwirkungen.*hehe

 

 

Nach einem, nach meinem Empfinden mal wieder viel zu kurzen Gig der Schattis, wo es Soundtechnisch nichts zu meckern gibt, verabschiedeten sich die Jungs vom Publikum und verliesen leider ohne Zugabe die Bretter, die die Welt bedeuten. Dave natürlich mal wieder mit einem Hechtsprung ins Publikum.

 

Für mich hieß es nun den Rest des Chaotenhaufen wieder zu finden, noch ein Bierchen trinken und dann die Heimreise antreten, da der letzte Bus in richtung Heimat fuhr.

 

 

Alles in allem ein super geiler Abend, ein Hammer Gig der Jungs, einem überaus hammermässigen Publikum und: der Sieg geht ganz klar an die Heimat-Fan-Front.

 

Der einzige Wehrmutstropfen, es war leider der "unpersönlichste" Gig der Jungs. Zu wenig gesehen, kein Bier zusammen vernichtet, zu wenig geschnackt. Jungs das muß beim nächsten mal anders sein, sonst gibbet mompers *lach.

 

Mein Dank geht an alle, die mir so einen geilen Abend bereitet haben, an den Wuppertaler Chaotenhaufen, an die Frontmädels Verena, Yvy, Kerstin, Chati, Bö, Danny, Chaty, Sandy, Jessie und *hehe an Ratte, den Hahn im Krob im "Mädleskreis".

 

In dem Sinne dat Darkkits/Sandra

Rockfestival Wülfrath 2008

 

Warum sind sie zu diesem Open Air Festival gekommen?

 

Dieser Beitrag vermittelt Eindrücke vom 3. Open Air Festival der Wülfrather Rockmusikergemeinschaft WüRG. Es ist erstaunlich, was die organisierten Musiker in dieser kleinen Stadt auf die Beine gebracht haben.

 

[...]

 

Zur Performance darkrockender Schattenspieler:

 

Beim Auftritt der Schattenspieler hatten ausgelassene Darkrock Fans sofort den Platz vor der Bühne erobert. Hier ist jeder in Bewegung. Der eine dreht sich mit ausgestreckten Armen. Und direkt vor mir prallen die Köpfe beim Headbanging fast zusammen. Als zwei junge Frauen spontan zum asynchronen Headbanging übergingen, war ich erstmal irritiert. Aber Darkrock ist angesagt, die Energie macht Unmögliches möglich, und das Adrenalin nimmt die Angst vor dem Schmerz. Wer da den Kopf einschaltet, hat schon verloren. Alles ist in Bewegung: Dynamisch wird auch das Bühnenlicht, hell, dunkel, immer wieder rot und dann wieder konzertierte Lichtimpulse.

 

Die angestrebte Metamorphose vom passiv konsumierenden Publikum ist erfolgt. Im kollektiven Rausch der Individuen entfaltet sich die Kraft und Energie der Musik: aktiv berauscht wandelt sich eine Vielheit in eine besondere Art von Einheit, die zu einer besonderen Erfahrung wird. Und hierzu bekommen auch die so Gewandelten nun immer wieder Bühnenlicht. Gelungenes Feedback mit bewegten Teilnehmern.

 

Doch zurück mit einem Blick auf die Bühne:

Mit gerade ausgestrecktem Körper in extremen Lagen übertrumpft Ilija Jelusic die Schwerkraft und schon wirbelt der ganze Oberkörper des Gitarristen in schwingenden Bewegungen. Mit dramatischer Körpersprache kommuniziert der Sänger David Esser auf der Bühne.

 

Den Original-Review inkl. Bilder gibt es hier im Netz:

musiklabor-netzwerk.blogspot.com/2008/08/rockfestival-wlfrath-2008-fotobericht.html