20.Mar.2022 - 20:03:00

Time to say good bye

Author: MAiTRE

Ein letzter Gruß aus den Schatten,

auf Facebook kam vor einigen Wochen berechtigt die Nachfrage, wie es um Schattenspieler steht, was Corona mit uns gemacht hat und ob es Neuigkeiten bei der Sängersuche gibt. Die Antwort war versprochen und wird mit etwas Zeitverzögerung nun eingelöst.

Wie ihr wisst, waren die letzten Jahre (vor Corona) geprägt von der Suche nach der richtigen Frontbesetzung. Passen sollte es unter anderem menschlich, stimmlich, musikalisch. Und immer wieder waren da die sich gleichenden Auditions. Da waren halbwegs talentfreie „Musiker*innen“ die mangels Fleiß und Vorbereitung ernsthaftes Interesse an einer Band vermissen ließen. Da waren super viele Proben mit ausgewählten Sänger*innen, mit denen wir teilweise über mehrere Wochen einen Versuch wagten - immer da, wo wir ein gewisses Potential erkannten. Wir hatten richtig Bock, ließen uns lange Zeit und in unserer Motivation nicht bremsen. Nach sehr vielen Auditions stellten wir dann irgendwann fest, dass wir eine Menge wirklich angenehmer Mitmusiker kennenlernen durften, aber das das musikalische unerfüllt auf der Strecke blieb. War unser Anspruch zu hoch? Wir finden nicht. Wenn Du Dir nach Jahrzehnten ein gewisses musikalisches Level erarbeitet hast, magst Du irgendwann nicht mehr auf einem Anfängerlevel durchstarten. Bis 2020 sollte es uns nicht gegönnt sein, einen passenden Frontmenschen zu finden.


Die Corona-Pandemie machte es nicht besser - über viele viele Monate war an ein aktives Bandleben gar nicht zu denken. Wenn man weiß, dass wir zuvor 2x die Woche für mehrere Stunden im Headquarter abhingen und abrockten, wird erahnen können, wie schwer die Corona Zeit war. Von 100 auf 0 einfach ausgebremst. Viele Bands um uns herum waren weiter aktiv (wie auch immer das unter den Hygienemaßnahmen wohl funktioniert haben mag), aber für uns stand außer Frage, dass in Lockdown-Zeiten es keine Schattenspieler Aktivitäten im Headquarter geben kann.


Oli hatte im Jahr 2020 dann aus persönlichen Gründen die Entscheidung getroffen, aus der Band auszusteigen und alternative Wege einzuschlagen.


In den vergangenen 2 Jahren musste sich jeder Schattenspieler seinen ganz privaten Herausforderungen stellen. Der eine hatte Kurzarbeit und insolvente Arbeitgebern, der andere konnte sich in der Pandemie-Extremsituation vor Arbeit auf einmal gar nicht mehr retten. Das Leben passierte auf einmal ungewollt ganz unabhängig von Schattenspieler.


Die Pandemie geht nun ins dritte Jahr. Mit Glück in ihr Letztes. Und wir verbleibenden vier Schattenspieler haben uns lange überlegt, ob und wie es weitergeht. Selbst wenn Corona nun schlagartig vorbei wäre, stünden wir wieder am Anfang. Kein Frontmensch. Die nüchterne Erkenntnis: Die letzten Bandjahre waren zermürbend.


Irgendwann kommt dann der Moment, in dem man sich überlegt, ob man ein totes Pferd weiter reiten sollte. Wir haben uns einstimmig entschieden, dieses nicht zu tun und die Schattenspieler Reise zu beenden. Die Entscheidung fiel nach über 20 Jahren Bandgeschichte nicht einfach. Glaubt es uns.


Wir Schattenspieler hatten den Spaß unseres Lebens. Wir verstehen uns nach wie vor, treffen uns zwischendurch mal auf ein Bierchen und verlieren uns nicht aus den Augen. Die guten Momente der Band, von denen es so unzählig viele gab, werden die Zeit überdauern. Wir sind stolz und glücklich, was wir mit dieser kleinen Darkrock-Kapelle erreichen durften. Wir verbrachten über 2000 Proben miteinander, erlebten viele spannende Konzerte mit unglaublich vielen Fans, haben unsere eigene musikalische Welt erschaffen, diese auf Tonträger gebannt und waren immer nur unserer eigenen Authentizität verbunden.


Wer selbst kein Musiker ist, kann im Regelfall nicht erahnen, wie viel Arbeit, Schweiß und Geld man in eine Band stecken muss, damit diese lebt und auf der Bühne mit maximalem Spaß funktioniert. Die Fans sehen "nur" die 30-90 Minuten auf der Bühne. Unser Lohn war immer unser Publikum, aus denen schnell Fans wurden und mit uns vor der Bühne abrockten. Und wir wussten jeden Musikliebhaber zu feiern, der uns auf den Kopf zusagte, dass unsere Musik mit einem großen Ausrufezeichen nicht seinem Musikgeschmack entspräche, aber doch ziemlich gut gemacht sei. Wir wussten die Presse zu feiern, wenn sie bei musikalischen Events gerne Schattenspieler vorab oder mit einem coolen Reviews zu erwähnen wussten.


Ihr Fans habt keine Kosten und Mühen gescheut, zu unseren Konzerten in nah und fern zu kommen, unser Merch zur Finanzierung der Band zu kaufen, eigene Fangberichte zu schreiben, uns bei Online-Votings zum Sieger zu küren, unzählige Bilder zu schießen, mit uns im Kotbus nach Cottbus zu düsen und in Zeiten des Web 1.0 (wo Deutschland noch kein Facebook und Co. Kannte) das FanForum inkl. Darkrock Chat auf die Beine zu stellen und die abgefahrensten Proberaum Partys zu feiern. Und da war noch so vieles, so unglaublich vieles vieles mehr, auf das wir - auf das WIR ALLE – vor, auf und hinter der Bühne so stolz sein können.


Danke an Euch da draußen, die ihr uns immer supportet und die Stange gehalten habt. Einzelne Namen zu nennen wäre ungerecht, es gibt so viele von Euch, die es verdient hätten. Und wir wissen, dass ihr wisst, wer sich auf Lebzeiten zur Schattenspieler Family zählen darf.


Wir danken allen ehemaligen Schattenspieler Musikern aus den vergangenen 20 Jahren. Auch hier überwiegen die schönen Momente, die wir mit Euch erleben durften.

 

Zum Schluss der Dank an unsere Crew. Die Mädels vom Merch (Anne, Nadine, Claudi und Gudrun) die selbstlos immer da mit anpackten, wo fleißige Hände gebraucht wurden. Kreini, der mit Fachverstand und seiner ausgeglichenen Art nicht nur die Pro7 Stefan Raab Major Shows meistert sondern auch diese kleine unbekannte Band Schattenspieler supportete. Und natürlich Guido unseren Darkrocktonkutscher, der uns seit dem ersten Gig am 21.09.2002 treu ergeben mit seiner so unglaublich großen Erfahrung und unbeugsamen Ruhe immer wieder ein Stück weiter nach vorne brachte.


Wir hatten eine echt verdammt geile Zeit. Wir wünschen jeder Band mindestens das Glück und den Spaß, den wir gemeinsam hatten.


Wir sehen uns da draußen... Danke Euch allen für alles.

Es verneigen sich vor Euch ...

Eure Schattenspieler